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Timeblog.de

03. Jan 2009

Der Quanten-Zeno-Effekt

Im englischen gibt es die schöne Redewendung “I can’t wrap my head around this.” Und um was die alten Griechen (und bestimmt auch die jungen Griechen) ihren Kopf nicht wickeln konnten, das war z.B. das Paradoxon des Zenon von Elea. Es fragt: Wie kann ein Pfeil fliegen? Zu jedem Zeitpunkt steht er doch still an einem Ort?
Natürlich konnte dieses Paradoxon und ähnliche später durch die Infinitesimalrechnung aufgelöst werden, aber wenn wir heute unseren Kopf so richtig aufwickeln wollen, müssen wir uns nur in die mikroskopische Welt bewegen. Die Aussagen der Axiome scheinen manchmal eher auf dem Niveau esoterischer Prognosen, aber das bittersüße an der Physik ist ja: Wir können es messen. Und bitter ist, wenn wir unseren Kopf nicht drum kriegen, was wir da beobachten - also wenigstens ich bekomme ihn nicht rum um den Quanten-Zeno-Effekt.
Wir müssen wieder mal die Katze im Sack, bzw. in die Kiste sperren - Schrödingers Katze. Wir wissen - die Katze sitzt in einer geschlossenen Kiste. Ein Schalter wird durch den Zerfall eines radioaktiven Atoms ausgelöst, und wird in Konsequenz die Katze durch Nervengas töten (kurz und schmerzlos). Die Stabilität des Atoms nimmt exponentiell mit der Zeit ab - aber solange wir die Kiste geschlossen lassen und nicht nachsehen, wissen wir nicht ob es zerfallen ist.
Das sind die quantenphysikalischen Begriffe: die “Messung” ist das Öffnen des Deckels. Dadurch “kollabiert die Wellenfunktion” des Zustands der Katze in entweder |tot> oder |lebendig>. Solange der Deckel aber zu ist, ist die Wellenfunktion noch nicht kollabiert und - jetzt kommts - ist nicht entweder |tot> oder |lebendig> sondern beides gleichzeitig (genauer: eine Überlagerung beider Zustände).
Jetzt kommt die Idee des Quanten-Zeno-Effekt: Wenn wir immer wieder nachschauen könnten, ob das Präparat zerfallen ist oder nicht, dann würde doch jedesmal die Wellenfunktion sich für einen Zustand entscheiden müssen. Und angenommen, die Wahrscheinlichkeit des Zerfalls steigt mit zunehmender Dauer ohne Messung - würde dann nicht folglich auch gelten, dass man durch sehr häufiges Messen erreichen könnte, dass das System länger stabil gehalten wird? Denn wenn die Wahrscheinlichkeit kurz nach dem Start sehr klein ist, wird man durch Messen recht sicher wieder den Zustand |lebendig> festlegen können. Und wenn man jetzt sehr häufig misst, sollte das System stabiler bleiben als die Exponentialfunktion für den Zerfall vermuten lässt, denn es geht ja jedesmal sicher wieder los im stabilen Zustand.
Nur ein Gedankenexperiment, ein Paradoxon das sich auflösen lässt? Nun, ich weiß es nicht. Ich weiß nur - dieser Effekt wurde bereits gemessen (ohne Katzen, mehr mit Lasern, Atomen und anderem Spielzeug - siehe z.B. die Chad Orzel über ein weiteres Experiment ge-researchbloggt, das den Effekt gefunden hat. Dazu bedarf es natürlich großer experimenteller Fingerfertigkeit - vor allem muss man es hinbekommen, dass man wiederholt messen kann ohne sein Experiment zu zerstören. In diesem Fall hat es etwas mit Mikrowellen und einer Atomuhr zu tun, aber ich bekomme meinen Kopf nicht recht drum herum…

26. Dec 2008

RIP Mike Barker

Da sitz ich und versuche die Nackenschmerzen vom Darkness over X-Mas gestern in Köln zu ignorieren, da muss ich doch lesen dass Mike Barker, Sänger von Shadow Gallery, bereits Ende Oktober mit 45 an einem Herzifarkt gestorben ist. Und da hab ich noch letzte Woche gedacht, Shadow Gallery könnten endlich mal mit einem neuen Album rüberrücken. Ich bin echt noch geschockt, dass ich das erst jetzt lese. Shadow Gallery waren vielleicht nicht die bekannteste ProgMetal-Band, aber haben mit Tyranny eines der absoluten Spitzenalben überhaupt abgelegt.
Dann noch einmal in gedenken an Mike Barker einer Übersongs von Tyranny, War for Sale

23. Dec 2008

Geburtstag des Weltretters steht bevor

So, jetzt wollen wir uns aber langsam besinnen, denn bald, am 25. Dezember, feiern wir den Geburtstag des Mannes, der die Welt nachhaltig und für immer verändert hat. Die Rede ist natürlich von Isaac Newton.
Isaac Newton lebte von 1643-1727 und hat nicht nur die Gravitation und Optik entdeckt oder so Kleinkram, nein er hat direkt die komplette moderne Wissenschaft begründet. Erst seit Newton gibt es die scharfe Trennung zwischen Philosophie, Theologie und Naturwissenschaft.
Drum lasst uns jetzt ein paar Tage inehalten und feiern, denn wie sagt uns Wikipedia

Aufgrund seiner Leistungen, vor allem auf den Gebieten der Physik und Mathematik, gilt Sir Isaac Newton als einer der größten Wissenschaftler aller Zeiten. Die Principia Mathematica werden als eines der wichtigsten wissenschaftlichen Werke eingestuft.

und das sollte doch ein paar Feiertage wert sein!

PS: Leider ist Newton nur nach dem Julianischen Kalender am 25.12. geboren, und dann auch in 1642…aber die Ironie ist so schön, da muss man dann mal drüber hinwegsehen…

23. Dec 2008

Artikel 1, OHNE Ausnahmen

Da ich ja wahrscheinlich einer der wenigen bin, die den Spruch “Wir sind Aachen. Nazis sind es nicht.” für dämlich halte, aber offenbar viele danach googlen, hab ich mal geschaut was andere da so schreiben.

Bei Ralf Simon (aber bezogen auf die Demo vom November):

Wobei es ja schon unsäglich ist, dass Gruppierungen, die sich ganz bewusst und offen gegen das deutsche Grundgesetz stellen (Art. 1 GG: “Die Würde des Menschen ist unantastbar.”), dieses auch noch für ihre eigenen Zwecke nutzen dürfen.

Das ist ein Widerspruch? Artikel 1 gilt für ALLE Menschen, und auch Nazis sind Menschen. Noch wichtiger, der Artikel macht überhaupt nur dann Sinn wenn er IMMER gilt. Wie sehr einem das Menschenrecht am Herzen liegt, lässt sich nicht daran messen wie man es auf Bedürftige anwendet, sondern wie man es auf die schlimmsten Feinde anwendet. So gerne ich auch jeden einzelnen Nazi, Xenophoben, Rassisten oder sonstigen Dreck mit bloßen Händen erwürgen würde, niemals darf der Glaube an das Menschenrecht verletzt werden, und niemals darf auch so jemanden versagt werden, im Rahmen des Gesetzes sein recht auf Meinungsäußerung auszuüben. Ja, das ist sehr sehr bitter, aber unnachgiebige Ehrlichkeit ist der Weg. Wer sich gegen das Grundgesetz stellt, darf es trotzdem für sich reklamieren, da darf man nicht von abrücken oder es bricht sofort zusammen.
Ich hab genug Vertrauen in Artikel 1 um zu denken dass es stark genug ist fest zu stehen wenn man nur unbeirrt darauf pocht, OHNE Ausnahmen.

22. Dec 2008

Gegen Nazis in Aachen - Können wir nicht auch mal FÜR etwas sein?

Aachen hat grade ein massives Problem mit Nazi-Aufmärschen. Nachdem vor einigen Wochen einer im letzten Moment durch ein Gericht doch erlaubt wurde, nachdem er eigentlich verboten werden sollte, wird jetzt am 24. Dezember ein weiterer Marsch durchgeführt. Grundsätzlich muss ich jetzt sagen, dass ein Verbot keine gute Idee war. Auch wenn man Nazis keine Handbreit Platz lassen sollte, und ich selbst schon im Affekt anderes gefordert habe, so muss es doch die unerschütterliche Grundfeste der Demokratie bleiben dass jeder demonstrieren darf, unabhängig von seiner Weltanschauung.
Jetzt soll es in Aachen keine Gegendemonstration geben, klar da wurde der Termin von den Nazis geschickt gewählt (nur die Antifa will ein bißchen demonstrieren, aber die steht ja sowieso diametral zur Intelligenz und schadet statt zu helfen). Aber es sollen überall Plakate aufgestellt werden.
Das Motto ist „Wir sind Aachen – Nazis sind es nicht“. Und da kann ich nur sagen: Wenn diese Nazis hier wohnen, dann SIND sie Aachen. Da kann man etwas anderes behaupten (und es zum “Problem anderer Leute” machen), und so einen Spruch propagieren, aber das ändert nichts daran: Die Nazis sind auch Aachen. Ganz schlechter Spruch also. Warum kann man immer nur GEGEN etwas sein? Warum protestieren wir GEGEN Nazis? Dann haben die doch schon wieder mehr als nur eine Handbreit Achtung. Warum ist man nicht mal FÜR etwas? Auf meinem Plakat würde stehen “Ich bin zuerst Mensch”. Aber den meisten Politikern, vor allem der CDU, würde es wohl im Hals stecken bleiben, wenn sie sagen müssten “Ich bin nicht zuerst Deutscher oder Christ, ich bin zuallererst Mensch.”
Da bin ich für: Dass jeder in erster Linie ein Mensch ist, und nicht ein Deutscher oder ein Christ oder ein Türke oder ein Nazi oder ein Wissenschaftler.

21. Dec 2008

Videos zu den Top-Alben

Aus so einer Top-Alben Liste lässt sich prima auch noch ein Videopost rausschinden…aber es bietet sich halt an in diesem mutigen neuen Zeitalter ;)

HEART OF CYGNUS - Before the Court
Die Newcomer des Jahrzehnts bei der Arbeit:

DEATH ANGEL - Dethroned
Auf Platz 2 krachts ganz heftig

INTO ETERNITY - Time Immemorial
Die ganze Bandbreite der Band auf Videolänge zusammengeschnitten - der Schnitt ist allerdings sehr grausam…

GRAND MAGUS - Like the Oar Strikes the Water
Und schließlich noch -live! mit mäßigem sound- der große Magus

19. Dec 2008

Meine Alben 2008

Soll ich das jetzt doch ins englische Blog schreiben? Aber das liegt im Wachkoma, also lass ich es im deutschen Bereich. Jahresende ist immer die Zeit, die besten Alben des Jahres aufzustellen, und da ist doch einiges dabeigewesen dieses Jahr. Nicht ganz so viel wie 2007 - da hab ich es schlichtweg nicht hinbekommen mich auf Top 10 zu einigen, aber es war wieder ein hörenswertes Jahr für den gepflegten Metal/Hard Rock-Fan. Ohne weite Umschweife, die Top 10:

1. Heart of Cygnus - Utopia

Eine kleine Zweimann-Band aus Kalifornien nimmt sich eine gehörige Portion Rush und eine Prise Iron Maiden und kreiert daraus ihren ganz eigenen Progessive-Sound. Utopia ist auch noch ein vorzügliches Konzeptalbum in einer Orwell’schen Welt, in der Träumen verboten ist. Von vorne bis hinten einfach nur genial! Kann man bei last.fm ganz anhören.
/Edit: Ach Blödsinn, jetzt hab ich die zu Kanadiern gemacht, zu sehr an Rush gedacht. Sind Kalifornier :)

2. Death Angel - Killing Season

So wird Thrash Metal richtig gemacht! 2008 war das Jahr in dem der traditionelle Thrash Metal auferstanden ist, aber der ist leider auf Dauer doch eintönig - außer man macht es wie Death Angel und lässt Kreativität und auch mal anderen musikalischen Einflüssen sowie unbändiger Spielfreude freien Lauf! Das Album knallt von vorne bis hinten, ohne je langweilig zu werden! Alleine die Tatsache, dass ich diese Band zwischen meine Lieblingsbands und -genres geschoben habe spricht Bände!

3. Opeth - Watershed

Opeth sind und bleiben Götter und machen hier alles richtig, sie entwickeln sich weiter und schwelgen mehr denn je in progressiven Melodien. Die Mischung aus brutaler Härte und melancholischen Schwebephasen haben Opeth schon immer perfekt gekonnt, und dass sie sich darauf nicht ausruhen zeigt eines der Alben des Jahres.

4. Pharaoh - Be Gone

Pharaoh lieferten DAS Album 2006 - ein US-Power Metal-Brecher der in einem sonst eher schwächelnden Jahr die Messlatte für ungekünstelten Spaß am Heavy Metal in Stabhochsprung-Regionen setzte. 2008 konnten Pharaoh nachlegen, und wie! Behutsam wurde das Tempo ein bißchen rausgenommen und hymnische Songs lösen ein wenig die Iron Maiden-Trademarks ab. Zur absoluten Spitze fehlen vielleicht ein paar Knallerrefrains mehr, aber Pharaoh sind nach wie vor unangefochtene Spitze im traditionellen Metal, meilenweit vor den langweiligen Iron Maiden.

5. Trivium - Shogun

Der Wechsel vom Rumkreischen auf “normalen”, kräftigen Gesang brachten Trivum für mich aus der No-Go-Area zur Spitze. Auf Shogun haben Trivium ihre Stärken ausgebaut und sind etwas in die Breite gegangen statt immer nur nach vorne. Viele absolute Hits, aber im Gegensatz zum Vorgänger auch keine Füllersongs sichern Shogun einen mittleren Platz in meiner Hitliste.

6. Journey - Revelations

Das Comeback! Nach Weggang ihrer Stimme haben Journey den modernen Weg beschritten, sie haben sich ihre eigenen Coverbands auf YouTube reingezogen und sich den besten Sänger geschnappt. Und Mann! Das hat geklappt! Mit Arnel Pineda knüpfen sie nahtlos an ihre besten Alben an und liefern einen Gänsehaut-Melodic-Rock-Instant-Klassiker nach dem anderen ab!

7. Firewind - The Premonition

2008 war ein gutes Jahr für Heavy/Power Metal! Firewind, seit Jahren ein Garant für hochkarätige Alben, haben ihr bestes Album abgeliefert. Man merkt, dass diesmal viel mehr Energie ins Songwriting gelegt wurde und das hat auch bestens geklappt! Kraftvoller Gesang mit melodischem Gitarrenspiel der Ersten Liga.

8. Grand Magus - Iron Will

Und mehr traditioneller Heavy Metal, diesmal mit starker Doomkante, aber ohne sich in der Langeweile gebremsten Tempos zu verlieren. Hymnen zum Faust recken!

9. Into Eternity - The Incurable Tragedy

Die Progressive/Death-Band der letzten Jahre neben Into Eternity, mit einem tieftraurigen Konzeptalbum über den Krebstod gleich dreier Freunde und Verwandten von Gitarrist Tim Roth. Für einen höheren Platz fehlen aber ein paar neue Ideen im Vergleich zu den letzten Alben.

10. Gojira - The Way of all Flesh

Meshuggah haben ein beachtliches (sprich: endlich mal anhörbares) Album geliefert, aber die Franzosen von Gojira nehmen die Trademarks und pumpen eine Riesenkiste Abwechslung rein und präsentieren mein bestes Album im Bereich moderneren Metals für dieses Jahr!

Honorable Mention: Guns n’ Roses - Chinese Democracy
Das hätte ich nie nie gedacht, aber Axl Rose Wunderkiste von Songs bietet tatsächlich tolle Songs. Für die Top 10 hats nur ganz knapp nicht gereicht, ein bis zwei Songs weniger und ein bißchen mehr Gas zwischendurch und es wäre in den Top 10 gewesen!

Flop des Jahres: Judas Priest - Nostradamus
Ich habe mich noch nie durch ein langweiligeres und konstruierteres Konzept-Doppelalbum quälen müssen. Vielleicht 3-4 akzeptable Songs, der Rest ist einfach nur übelster kitschiger Müll. Furchtbar!

Überschätzt 2008: Dass sie nach beachtlichen Pausen fast zeitgleich neue Alben veröffentlichen, war bei Metallica und AC/DC sicher kurios. Aber das neue Metallica ist zwar gut, aber das war St. Anger eigentlich auch, beide haben Schwächen aber liefern viel Kopfnicken. AC/DC, sorry, nur langweilig.