“Integration” und “Ausländer”
In diesem Interview in der ZEIT mit Bildungsforscherin fällt ein wichtiger Satz:
In Ländern wie Kanada oder Schweden gibt man Migranten eine Bleibeperspektive und betrachtet sie als Kanadier beziehungsweise als »Neuschweden«.
Ich denke ja, dass die Bezeichnung “Ausländer”, zumindest moralisch und politisch, per se rassistisch ist. So lange wir Menschen in “Deutsche” und “Nichtdeutsche” einteilen, statt in “Menschen”, wird kein Zusammenleben existieren.
Und auch solange wir von Integration sprechen. Das impliziert: Wer hierher kommt, soll gefälligst seine Kultur wegwerfen und unsere nehmen. Ich sehe das nach Newton’schen Bewegungsgesetzen: Die Erde dreht sich nicht nur um die Sonne, nein es drehen sich beide um einen gemeinsamen Mittelpunkt. Da die Sonne so viel mehr Masse hat als die Erde, ist dieser allerdings nur sehr wenig verschieden vom Masseschwerpunkt der Sonne. So denkt der Deutsche: Deutschland ist die Sonne, wer herkommt soll gefälligst um unseren Schwerpunkt drehen. Solange wir nicht virtuelle Masse abwerfen und unseren kulturellen Drehpunkt weiter in die Mitte verlagern wird kein Erfolg in Aussicht sein. In Politikersprache hieße das: “integration” ist da, wo ich ein Stück Kultur des “Ausländer” annehme.



