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Klatsch-Patriotismus auf dem Bolzplatz

Filed under: Generell — 12 October 2007 @ 10:37

Wer sich über den Fall des Ahkan Dejagah informieren will, und die Hintergründe richtig verstehen will, der sollte dieses wirklich hervorragende Interview in der TAZ lesen [1]. Wer sich richtig aufregen will, liest das wertekonservative (das ist euphemistisch für: rechtspopulistisch) Blatt WELT [2,3]. “DFB räumt Fehler ein” steht in der Überschrift. Gut, denke ich. Aber was der Fehler sein soll, lässt mich seit Tagen kochen. Ich würde ja gerne eine Mail schreiben an Theo Zwanziger, aber da finde ich keine Mailadresse. Ich habe gedacht, ok, sagt er, wir haben die Lage nicht richtig kommuniziert, selbstverständlich verstehen wir, wenn Herr Dejagah nicht seine körperliche und geistige Unversehrtheit, und die seiner Familie, dafür riskiert, einem Ball hinterherzuhoppeln.
Nein! Der Fehler sei folgendes:

WWir haben Dejagahs Entschuldigung zu schnell akzeptiert. Wir hätten mehr nachfragen und nachbohren müssen.”

Oh, mir schwillt wieder der Kamm. Was für ein widerlicher Klatsch-Patriotismus da verbreitet wird. Wegen einem besemmelten KINDERSPIEL! Herrgott, es regt mich schon immer genug auf, wie ein dämliches Ballspiel zur Superkultur erhoben wird, aber wenn jetzt solche Aktionen kommen, ist das pures Schüren von Volksverhetzung und Mitmenschenhass (ich sage nicht “Fremdenhass”, die kennen den guten Mann doch anscheinend…).

“Ich werde es ihm etwas schwerer machen und versuchen, das Verantwortungsgefühl abzufragen, das er als deutscher Nationalspieler zeigen muss.”

Herr Zwanziger hat in seinem Leben noch nicht annähernd eine solche Situation erleben müssen wie Herr Dejagah, das ist absolut offensichtlich, und er besitzt auch nicht die Geisteshaltung oder die geistige Aufnahmefähigkeit, sie zu verstehen. Oder zu tolerieren. Zu tiefst beschämend.

Und natürlich wird auch aus der Politik mit Scheiße geworfen [2]. Dass Charlotte Knobloch rumhetzt, ist ja klar, dafür ist der Zentralrat der Juden als größte menschenfeindliche Hetzlobby ja da in Deutschland. Eigentlich klar auch dass die CDU nicht die Füße stillhalten kann. Aber da kann man wenigstens bei Abgeordnetenwatch nachfragen, auch wenn man keine Antwort erhält.

Sehr geehrter Herr Pofalla,

zu Herrn Dejagah aus der U21-Nationalmannschaft zitiert die Welt sie folgendermaßen:
“Wer Deutschland im Nationaldress vertritt, ob gebürtiger Deutscher oder Zugewanderter, muss sich zu unserer durch Geschichte und Kultur geprägten Gemeinschaft bekennen. Wer dies aus persönlichen politischen Gründen nicht will, muss das Trikot der Nationalmannschaft abgeben.”

Mal abgesehen davon, dass es keine politischen Gründe sind, sondern zutiefst menschliche, lautet die Frage:
Wie können Sie motivieren, zu fordern, dass ein Mensch seine körperliche und geistige Unversehrheit sowie die seiner Familie aufs Spiel setzt, um einem Ball hinterherzulaufen? Und - wie vereinbaren sie das mit “Die Würde des Menschen ist unantastbar”?

Pofalla, das ist der, der immer noch aussieht als würde er in der Sitzungspause von den anderen in den Mülleimer gesteckt…die Frage habe ich auch gemailt, da er eh nicht auf Abgeordnetenwatch antwortet (Sofern die Frage dort erscheint).
Sehr geil ist auch beim Mailformular von Herrn Pofalla, dass man zustimmen oder ablehnen kann, ob die eigenen Daten für Werbung gespeichert werden dürfen. Nein, dürfen meine nicht! In der Verfassungsfeinde-Kartei lande ich ebstimmt sowieso^^

Der Minsiter für am-mesten-Falsch-im-Beruf-sein, Wolfgang Schäuble, muss natürlich auch noch nachtreten [3] (kann er ja sonst nicht mehr) und zeigen, dass er mit der Verteidigung der Menschenwürde soviel zu tun hat wie die Kuh mit dem Stricken:

“Wenn jemand Nationalspieler ist, sollte er nicht aus politischen Gründen sagen, in dem einen Land spiele ich und in dem anderen nicht”, betonte der CDU-Politiker in der N24-Fernsehsendung “Studio Friedman”.

Himmel, es sind persönliche Gründe und nicht politische. Erschütternd.

Quellen:
[1] taz.de: Interview mit Omid Nouripour
[2] Welt.de vom 10.10.
[3] Welt.de vom 12.10.

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