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0,006 Prozentpunkte

Filed under: 1984, Generell, Politik — 16 July 2007 @ 22:25

heise online beschreibt eine Studie, laut der mit der bereits beschlossen Vorratsdatenspeicherung die Aufklärungsrate um lediglich 0,006 Prozentpunkte steigen würde.
Ich habe mir das verlinkte Dokument der Stellungnahme (PDF) einmal angesehen, denn diese Zahl ist doch sehr seltsam (0,006 Prozentpunkte ist weit unter jeglichem statistischen Rauschen…), da wollte ich wissen wie man so etwas ausrechnen kann. Die Herleitung ist ebenfalls “etwas” seltsam:
Ein Studie des Bundeskriminalsamts vom November 2005 besagt, dass in den letzten Jahren 381 von 2,8 Mio. Straftaten wegen fehlender gespeicherter Daten nicht aufgeklärt werden konnten. Diese hat man nun auf die durchschnittliche Aufklärungquote von 55% darufgerechnet, so kommen 0,006 Prozentpunkte Anstieg heraus. (Bitte nicht 0,006% schreiben, das stimmt nicht)
Da hakt es natürlich an etlichen Ecken:

a) Man impliziert, dass eine Vorratsdatenspeicherung diese Fälle hätte klären können, erhöht dadurch die vergangene Quote und benutzt diese für eine Aussage über die zukünftige Quote. Bei diesen kleinen Zahlen ist das sicherlich nicht so ohne weiteres vertretbar. Da muss passender formuliert werden: “Es hätten 0,006 Prozentpunkte mehr aufgeklärt werden können.”

b) Die Durchschnittszahl von 55% ist sicherlich NICHT auf drei Nachkommastellen gerundet, sondern auf Null. Da darf man nicht so einfach Drei Stellen hinterndran etwas dazuaddieren. Eine korrekte Formulierung wäre gewesen: “Die zusätzliche Aufklärungsquote wäre vom Rundungsfehler um ein Vielfaches überdeckt worden.”

c) Wird außerdem angenommen, dass die Existenz der Vorratsdatenspeicherung kein anderes Verhalten bei der Aufklärung anders aufklärbarer Taten verursacht hat. Das kann man für solch einen eher einfachen Argumentationsansatz sicherlich weglassen, aber man sollte es erwähnen.

Lässt sich zusammenfassen - die Studie zeigt ein eindeutiges Bild: Vorratsdatenspeicherung bringt keinen zusätzlichen Nutzen (keinerlei statistische Signifikanz - das könnte man sogar mathematisch korrekt begründen!). Leider ist aber die Darstellung wissenschaftlich blödsinnig. Dadurch beraubt man sich einmal mehr der Glaubwürdigkeit, die man so sehr behalten muss im Kampf gegen diese unwürdige und unsinnige Dateninternierung. Die Aussage “Vorratsdatenspeicherung bringt nicht nachweisbar mehr Aufklärung” wäre zwar weniger plakativ, aber man geht wenigstens nicht von vornherein davon aus, dass der Leser über keine mathematische Intuition verfügt und versucht nicht, ihnen mit Zahlenspielchen zu beeindrucken.

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