Ball flachhalten!
Moment mal, man kann auch mal so zitieren, dass etwas anders klingt als es eigentlich gemeint war. Bei allem Eifer, ich bin auch entsetzt was im Moment abgeht, aber wollen wir folgende Absätze vergleichen:
Linksextremisten werten die Verschärfung der Sicherheitsgesetze nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 als eine neue Qualität “staatlicher Repression”. Sie nehmen auch die Sicherheitsmaßnahmen [..] zum Anlass, den aus ihrer Sicht permanenten Ausbau des Überwachungsstaates und die repressive Wirkung der dabei eingesetzten neuen Technologien anzuprangern, wie z. B. RFID-Chips, Gen- oder Biometrische Datenbanken, Kameraüberwachung öffentlicher Plätze.
Das klingt furchtbar, nicht wahr? Sind wir jetzt also alle Linksextremisten? Nun, ich denke das kann ich nicht so im Raum stehen lassen, zitieren wir doch ein wenig vollständiger aus dem Verfassungsschutzbericht von 2006, Seite 192
Das Aktionsfeld „Antirepression“ hat in den letzten Jahren zunehmend
an Bedeutung für Linksextremisten gewonnen. Linksextremisten
werten die Verschärfung der Sicherheitsgesetze nach den Terroran
schlägen vom 11. September 2001 als eine neue Qualität „staatlicher
Repression“. Sie nehmen auch die Sicherheitsmaßnahmen zur Fuß
ballweltmeisterschaft 2006 und zum bevorstehenden G8-Gipfel 2007
in Heiligendamm (vgl. Nr. 2) zum Anlass, den aus ihrer Sicht perma
nenten Ausbau des Überwachungsstaates und die repressive Wir
kung der dabei eingesetzten neuen Technologien anzuprangern, wie
z. B. RFID-Chips, Gen- oder Biometrische Datenbanken, Kamera
überwachung öffentlicher Plätze.
Träger der „Antirepressionskampagne“ sind in erster Linie links
extremistische Gruppen aus dem überwiegend autonomen und anti
imperialistischen Spektrum wie die „Rote Hilfe e. V.“ (RH; vgl. Kap. III,
Nr. 5) oder die Initiative „Libertad!“, darüber hinaus so genannte Soli
daritätsgruppen, die sich anlassbezogen - etwa für die Dauer von
Strafprozessen - für die Belange der Betroffenen einsetzen. (…)
Ich finde, das klingt deutlich anders. Es geht hier im Besonderen, um Maßnahmen die von linksextremen Gruppierungen ausgehen. Der erstere Absatz entstellt diese Intention und es klingt, als ob hier klassifiziert wird zu welcher Gruppe sich Leute zählen lassen müssen, die diese Meinung teilen. Das ist ein deutlicher Unterschied, und ich finde es unseriös und BILD-Niveau, das so darzustellen. Ist wahrscheinlich in den meisten Fällen nicht absichtlich geschehen, aber ich möchte doch drauf hinweisen.
Immer steht es hier und hier und hier und hier und wasweißichnochwo so zitiert oder verlinkt. Angefangen hat es anscheinend so zitiert hier, oder wer kommt weiter zurück?
/edit: ich hatte auch aus Farliblog gelinkt, da habe ich aber etwas zu schnell drübergesehen. Dort war anders zitiert, daher habe ich den Link aus der Liste entfernt.




May 21st, 2007 @ 21:33
Was ändert das an der Aussage, dass Menschen die sich mit sogenannter “Antirepression” auseinandersetzen dem linksextremistischen Spektrum zugerechnet werden können?
May 21st, 2007 @ 21:51
Genau das sehe ich nicht als Aussage. Ich erkenne als Aussage in diesem Bericht: Menschen, die dem linksextremen Spektrum zuzuordnen sind betätigen sich zunehmend auf dem Feld der “Antirepression”.
Der Umkehrschluss gilt NICHT automatisch, das finde ich ganz wichtig!
May 21st, 2007 @ 21:56
Sooo ganz korrekt gehst Du aber dann auch nicht vor.
Ich persönlich habe beispielsweise nicht mitten aus dem Zitat die WM und den G8-Gipfel herausgeschnitten, sondern nur den ersten Satz selbst gebracht. Auf die WM- und G8-Sicherheitsmaßnahmen bin ich gar nicht eingegangen.
Im übrigen stimmt der Satz “Träger der „Antirepressionskampagne“ sind in erster Linie links
extremistische Gruppen aus dem überwiegend autonomen und antiimperialistischen Spektrum…” auch nicht. Ein weiteres Zeichen dafür, wie falsch der Verfassungsschutzbericht ist.
May 21st, 2007 @ 22:03
Ach, der Link aufs Farliblog ist tatsächlich so nicht in der Aufzählung gültig, da ist das ganze auch nicht sinnverzerrend zitiert. Ich werde den Link aus der Liste entfernen.
Dass der Verfassungsbericht haarsträubend ist, dagegen werde ich auf keinen Fall etwas sagen. Aber wenn versucht wird, aus zwei Falschen ein Richtig zu machen, dann weise ich da schon drauf hin.
May 22nd, 2007 @ 0:25
“zum anlass” heißt auch nicht “als grund”… aber egal
wir können jetzt jeden satz auseinander nehmen. eine “antirepressionskampagne” kann ich nicht entdecken, wenn menschen sich mit verfassungsfeindlichem handeln von politischer seite auseinandersetzen… aber das ist wahrscheinlich meine meinung…, dass mitgliedschaft in einem eingetragenen verein, der sich auf dem rechtsweg engagiert nun unbedingt extremistisch ist… na gut, wieder ansichtssache…
hätte der verfasser der passage also schreiben sollen: “Linksextremisten, aber auch Menschen aus der bürgerlichen Mitte…”?
Mal abgesehen von unseren unterschiedlichen Meinungen über die Bedeutung dessen, glaubst du nicht auch, dass man den Umkehrschluss schnell und plakativ ziehen wird, wenn man über den normalen Rechtsweg nicht so weiter kommt, wie man möchte? Haben das nicht die “Terror-Razzien” gezeigt? Ist attac nicht auch irgendwie linksextremistisch und kapitalismuskritisch?
May 22nd, 2007 @ 9:03
Doch, das glaube ich ja auch!
Aber ich glaube genauso, dass man nur etwas dagegen machen kann, wenn man möglichst genau bleibt und vor allem glaubwürdig.
May 22nd, 2007 @ 19:01
dann mach dir doch einfach die mühe meinen artikel zu lesen und nicht nur nach der verwendung des zitates zu gucken
May 22nd, 2007 @ 19:44
Sofern du den verlinkten Artikel meinst, habe ich, und du hast in die falsche Richtung geschlussfolgert, wie ich bereits ausgeführt habe.
May 23rd, 2007 @ 16:29
tut mir leid, dann hast du den artikel zwar gelesen (danke), aber leider nicht verstanden…
aber egal, keine Lust auf Spitzdindigkeiten, wo wir eigentlich einer Meinung bin, dass nächste Mal setze ich um “Definition” auch Anführungszeichen, wie bei “begründeter Verdacht”.
weitermachen
May 24th, 2007 @ 12:51
Hallo Joerg!
Den Absatz, den du noch hinzufügst, stellt nur klar, wer zu dieser Meinung (das nach dem Bericht viele als linksextrem ausweist) auch noch eine entsprechende Kampagne gestartet hat. Eine Kampagne stellt in diesem Zusammenhang in meinen Augen eine organisierte Darstellung und Durchsetzung einer Meinung dar.
Das Problem hier ist aber nicht, dass diese Meinung _nur_ von linksextremistischen Gruppierungen verbreitet wird, wie du es hier (in meinen Augen) versuchst darzulegen - Haha! Das wäre ja schön!
Nein! Das Problem ist, dass zuerst (!) klar definiert wird, dass Linksextreme dieser Auffassung (staatl. Repression usw.) sind, damit jedoch viel mehr Menschen gemeint werden, und erst dann (!) mitgeteilt wird, dass diese Meinung von linksextremistischen Gruppierungen verbreitet wird (Kampagne).
Die Reihenfolge macht einen riesigen Unterschied. Und ich bin der Meinung, dass man hier sehr kleinkariert sein kann, soll und darf - Gerade weil es der “Arbeitsbericht” des Verfassungsschutzes ist und demnach lange bearbeitet worden ist.
Viele Grüße,
Aven.
May 24th, 2007 @ 13:15
Ich lege an keiner Stelle dar, dass diese Meinung nur von linksextremistischen Gruppen vertrten wird, im Gegenteil.
Der Sachverhalt ist einfach und mathematisch-logisch eineindeutig:
Aus a folgt b.
Daraus machen alle
Aus b folgt a.
Etwas anderes habe ich nicht gesagt, und ich finde es schade dass stetig nur Drumherum vorgeworfen wird, statt mein Argument zu verstehen. Es ist nämlich mit Verlaub scheißegal, wie die Verhältnisse und Meinungsverteilungen sind, wenn man nur drauf hinweist dass eine Schlussfolgerung so nicht gezogen werden kann.
May 24th, 2007 @ 22:36
Ich denke, das zeigt ganz einfach wie ungebildet man in Sachen Logik in Deutschland ist. Logik wird eigentlich nur in Mathematik (und Informatik) vermittelt - und das regelmäßig extrem mies. Dabei gehört elementare Logik zum Alltagswissen wie Lesen und Schreiben. Leider gibt es keinen Begriff analog zu Analphabet. Der Anteil an “Anlogikern” wäre sicherlich nicht gering. Mangel an logischem Verständnis kann wohl durch Erfahrung und “gesunden Menschenverstand” gelindert werden, aber für kompetentes Wirken in welchem Bereich auch immer, ist Logik eigentlich unverzichtbar. Ich schätze das ist durchaus ein Grund für hanebüchene Urteile und politische Entwicklungen, da Mathematik und damit Logik hier nicht zur Qualifikation notwendig ist. Es gehört ja quasi zum guten Ton, in Mathematik eine Niete zu sein.