Eine kleine Geschichte von einem großen Erfolg
Juli 2008: Im Ruhrgebiet treten neue Fälle einer bislang unbekannten Erkrankung auf. Die Ursache ist unbekannt, aber die Symptome sind dramatisch: Der Erkrankte schlägt so lange seinen Kopf gegen eine Tür, bis er bewusstlos wird. Politiker ergehen sich in fruchtlosen Debatten über Maßnahmen. Der Verband der Türhersteller reagiert: Er bildet eine freiwillige Koalition, die sich darauf einigt nur noch gepolsterte Türen herzustellen.
Januar 2009: Nachdem ein 16jähriges Mädchen sich den Kopf an einer bisang ungepolsterten Klassenzimmertür angeschlagen hat, gehen Stürme der Empörung durch die Politik: Wie kann es sein dass es immer noch ungepolsterte Türen gibt? Scheinbar scheint die Türenhersteller-Lobby aktiv zu versuchen, die Polsterung aller Türen zu verhindern. Es wird über gesetzliche Regelungen diskutiert. Zwei Wochen später ist alles wieder vergessen.
Juli 2009: In Darmstadt schlägt sich ein 55jähriger Rentner in einem Raum mit gepolsterten Türen an einem Fensterrahmen den Kopf bis er bewusstlos wird. Politiker sprechen von einem neuen Ausmaß der Krankheit. Pflicht-Vergummizellung sämtlicher Räume wird beraten.
Oktober 2009: Nachdem eine 33jährige Erkrankte mit dem Kopf die Fensterscheibe eingeschlagen und sich schwer verletzt hat, ist endlich die Zeit des Handelns gekommen: In nur zwei Wochen wird ein neues Gesetz verfasst, das mit Frist bis zum Jahresende die sofortige Aufrüstung sämtlicher Türe und Fensterrahmen mit Polstern vorsieht, und außerdem bruchsicheres Glas für sämtliche Scheiben vorschreibt. Die Politiker feiern ihren großen Triumph. Verbraucherverbände mahnen die mangelnde Absicherung von Schränken und Vitrinen an. Ein vorsichtiger Mediziner fragt, ob man nicht lieber einmal die Krankheit erforschen solle. Er wird verspottet.



