04. Jan 2009
Nachdem ich im Studium eher die dicken Bücher bevorzugt habe (Kosten-Nutzen-Verhältnis…) und das Wunder Internet meine Schlagzahl dramatisch gesenkt hat, habe ich vor anderthalb Jahren nochmal drauf gesetzt, mehr zu lesen. Und meine LibraryThing-Statistik für 2008 (ich tagge jedes Buch mit dem Monat in dem ich es gelesen habe) bestätigt: 51 Bücher beendet, 1 in der Mitte aufgehört (Thomas Mann Erzählungen…ZzZzzzz), also ist der Plan, etwa ein Buch pro Woche genau aufgegangen.
Bemerkenswerte Bücher waren u.a.
Neal Stephenson - Anathem
Ein dicker Schinken, aber jede Seite wert. In gelungen gemächlichen Tempo erzählt Stephenson von einer Parallelwelt, in der Wissenschaft in geschlossenen “Klostern” mit quasi-religiöser Inbrunst betrieben wird. Später wird dann eine Paralleluniversen-SciFi-Geschichte draus, die etwas an Kohärenz verliert. Aber dennoch: Buch des Jahres und volle Punktzahl!
Thomas Mann - Buddenbrooks
Auch wenn ich es nicht durch die Erzählungen geschafft habe, das Frühwerk von Thomas Mann ist genial! Mit 23 geschrieben ist es trotzdem wie von einem reifen, weisen Mann geschrieben - und noch nicht ganz so melassig wie die späteren Geschichten. Eine große Erzählung.
Joseph Heller - Catch 22
Eines der Bücher das jeder gelesen haben sollte. Nicht nur um zu wissen was ein Catch 22 ist, es ist vielmehr einer der besten (Anti)kriegsromane, der das absurde des Kriegs herausspielt.
Philip K. Dick - Das Orakel vom Berge
Auch wenn der Schreibstil von PKD mir gar nicht gefällt, die Ideen der Erzählungen sind immer phantastisch. Dieser Mann hat einfach alle (!) SciFi-Ideen weggeschrieben. Dieses Buch spielt in einer Welt, in der Deutschland und Japan den Krieg gewonnen haben, in der die Menschen aber alle gerade ein Buch lesen, in dem Deutschland den Krieg verloren hat…
George R. R. Martin - A Game of Thrones
Der Begin eines riesigen Fantasy-Epos, und schon ziemlich dick und langsam erzählt, aber dennoch sehr gut und viele übliche Fantasy-Klippen umschiffend. Aber irgendwie habe ich keine Lust auf noch 5-6 Schinken dieser Dicke…
Gabriel Garcia Marquez - Hundert Jahre Einsamkeit
Das abgefahrenste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe, was schon etwas heißen will neben der New York Trilogie von Paul Auster. Ebenfalls eine Familienhistorie, aber in Kolumbien zwischen Armut, Bürgerkrieg und schillernder, auslandender, verrückter Fantasie.
Romain Rolland - Jean-Christophe
In drei fast vergessenen Bänden erzählt der Nobelpreisträger Rolland die gesamte Lebensgeschichte des Musiker Johann-Christof. Vor allem in den ersten Bänden eine großartige Erzählung, die wahrhaft ein ganzes Leben abbildet.
Aravind Adiga - The White Tiger
Träger des Man Booker Prize, zeigt diese Erzählung des typische Leben eines Inders aus armen Verhältnissen, der sich nach oben gearbeitet hat - inklusive einem Mord an seinem Herren. Immer wieder erfährt man beim Lesen den Zwiespalt, wenn man erinnert wird dass die Geschichte nicht vor 200 Jahren spielt, sondern heute.